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Post-Corona-Zukunftsszenarien für die Hotellerie

Wie wird es weitergehen?

Bei Gesprächen mit Hoteliers werden wir immer wieder nach unserer Einschätzung gefragt, wie es weitergehen wird mit der Hotellerie? Auf was sollten sich Hotelbetriebe einstellen, damit sie bei der Wiedereröffnung gerüstet sind?

Dieser Beitrag ist der Zeit nach Corona gewidmet. Der Fokus wird auf zwei für die Hotellerie erfolgsentscheidende Punkte konzentriert: Preis und Auslastung. Schließlich ist die Anzahl Nächtigungen multipliziert mit dem Durchschnittspreis maßgeblich für Umsatz und Ergebnis. Nun kann sich die Wirklichkeit in verschiedene Richtungen entwickeln, die niemand voraussehen kann, auch keine Zukunftsforscher. Welcher Realität wir uns zu stellen haben, steht im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen.

Wir können auf Basis unseres heutigen Wissens jedoch mögliche Zukunftsszenarien entwickeln und überlegen welche Auswirkungen diese Szenarien auf unsere beiden Fokusthemen Preis und Auslastung haben werden. Als Denkrahmen nutzen wir die beiden generischen Optionen pessimistisch und optimistisch. Die Realität wird wahrscheinlich irgendwo dazwischen stattfinden. Szenarien skizzieren Möglichkeitsräume, wie sie sein könnten. Sie nehmen die Zukunft nicht vorweg, sondern dienen der Orientierung und helfen, über Möglichkeiten nachzudenken. Wir dürfen niemals vergessen, dass wir unsere Zukunft selbst kreieren. Wir haben es in der Hand Strategien zu entwickeln, die für mögliche Zukunftsszenarien optimiert sind. Wir werden nun die beiden Szenarien kurz beschreiben und die daraus resultierenden Erkenntnisse auf unsere Fokusthemen Preis und Auslastung behandeln.

Zukunftsszenario 1: Pessimistisch

Der Shutdown ist zur Normalität geworden. Die Sicherheit steht an erster Stelle. Für Aus- und Einreisen brauchen wir Genehmigungen oder umständliche Visumverfahren. Der Staat setzt alle Mittel ein die Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Zu Hause kochen wird zur alltagsstrukturierenden Norm. Versammlungen von mehr als 100 Personen sind verboten. Das kulturelle Leben ist komplett zum Erliegen gekommen. Die eigenen vier Wände erhalten einen neuen Stellenwert. Die Sorge vor einer erneuten Pandemie macht jede noch so kleine lokale Verbreitung eines Virus zum Auslöser drastischer Maßnahmen, von Grenzschließungen bis zu regionalen Isolationen. Gegenseitige Schuldzuweisungen, aggressive Drohungen, Populismus und nervöse Reaktionen wechseln mit Versuchen zu Transparenz und Kooperation. Der Staat kommt an seine Grenzen die Probleme zu lösen, den Betrieben zu helfen. Die Geduld der Bevölkerung nimmt ab, die Spaltung weiter zu. Hotelbetriebe und Restaurants bleiben mit wenigen Ausnahmen geschlossen, Insolvenzen nehmen zu, Betriebe geben auf. Die Arbeitslosigkeit steigt. Andere Hotelbetriebe setzen auf die Zeit nach Corona und investieren, um ihre Wettbewerbsvorteile auszubauen und bereit zu sein, wenn die Pandemie vorüber ist. Eine leichte Erholung mit weiteren Rückschlägen wird erst ab 2022 einsetzen. Erst 2023 oder 2024 kann wieder mit einer Rückkehr zu einem Leben wie vor Corona gerechnet werden, wenn nicht neue Virusvarianten auftauchen und eine erneute Pandemieschleife startet.

Zukunftsszenario 2: Optimistisch

Im Laufe des Jahres 2021 wird sich der Tourismus sukzessive erholen. Die Impfungen nehmen zu und sind erfolgversprechend, die Pandemie wird zurückgedrängt. 2021 wird eher verhalten anlaufen, mit leichten Steigerungen bis Jahresende. Der Sommertourismus wird zunehmen und zu ähnlichen Effekten wie 2020 führen. Die Wintersaison 2021/22 wird wieder Vor-Corona-Nächtigungszahlen erreichen. Auch der internationale Tourismus nimmt Fahrt auf, internationale Gäste, Kongresse und Reiseveranstaltungen führen zu einer Erholung des Städtetourismus. 2022 werden neue Nächtigungsrekorde erreicht. Die Arbeitslosigkeit im Tourismus geht deutlich zurück, nicht alle Stellen können besetzt werden

Auf was müssen wir uns einstellen?

Egal welches Szenario eintreten wird, Hotelbetriebe werden hinsichtlich den Nächtigungen erst dann wieder Fahrt aufnehmen können, wenn die Kunden sich frei bewegen und reisen können und wenn die behördlichen Einschränkungen aufgehoben sind. Dies wird voraussichtlich erst dann geschehen, wenn die COVID-19 Fallzahlen sich in allen Ländern auf einem niedrigen Niveau befinden. Dabei nützt es wenig, wenn die Fallzahlen nur im Heimmarkt niedrig sind. Auch in den Quellmärkten müssen die Zahlen sinken, damit die Menschen frei reisen können und wollen. Das Auf und Ab der Fallzahlen werden wir voraussichtlich erst dann positiv beenden können, wenn die Impfungen in allen Ländern erfolgreich verlaufen. Die Impfungen sind wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg, sie sind sozusagen der zentrale Erfolgsfaktor überhaupt diese Krise in absehbarer Zeit zu bewältigen. Welches Zukunftsszenario wahrscheinlicher wird, hängt voraussichtlich vom Impferfolg aller Länder ab.

Preis und Auslastung

Der Preis, der für Hotelleistungen verlangt wird, liegt im vollen Umfang in der Entscheidungsmacht der Hoteliers. Einige werden die Preise entsprechend ihren Leistungen anpassen, die Inflation berücksichtigen und selbstbewusst durchsetzen. Andere werden versuchen durch Preisnachlässe mehr Auslastung zu erzielen, in der Hoffnung, verlorenes Geschäft wieder zurück zu gewinnen. Bereits in der Sommersaison 2020 konnten wir beobachten was passiert, wenn ein Ansturm von Gästen einsetzt und einigen Tourismusdestinationen Rekordergebnisse beschert haben. Diejenigen Hoteliers, die zu ihren Preisen gestanden sind, haben die höhere Auslastung zu guten Preisen genutzt und ihre Performance-Kennzahlen und die Liquidität erheblich verbessern können. Andere Hoteliers, die glaubten durch Rabatte und Sonderaktionen die Auslastung anfeuern zu müssen, hatten zwar volle Häuser, aber eine schlechte Performance

Treiber der Hotelleistungen

Der Treiber der Nachfrage nach Hotelleistungen ist das Kundenbedürfnis. Die Kunden haben ein Bedürfnis nach Entspannung, nach Erholung, nach Zeit mit dem Partner oder der Partnerin, mit der Familie zu verbringen, nach sportlicher Betätigung, nach kulinarischen Erlebnissen, in der Natur zu sein, nach Urlaub mit dem Hund etc. Diese Bedürfnisse sind da und haben sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt, und zwar qualitativ und quantitativ. Die Internationalisierung hat ebenfalls dazu beigetragen, dass Angebote und Nachfrage von Hotelleistungen stark gestiegen sind. Sowohl die Nächtigungszahlen als auch die Durchschnittspreise sind gestiegen. Die Pandemie ist sozusagen ein Zwischenstopp einer starken Entwicklung, die nach der Bewältigung der Pandemie weiter gehen wird.

Es ist verständlich, dass einige Hoteliers versuchen die Umsatzrückgänge mit niedrigen Preisen zu kompensieren, in der Hoffnung durch eine höhere Auslastung den Umsatzrückgang doch noch auffangen zu können. Doch das ist der falsche Weg. Der Grund, warum der Gast derzeit nicht bucht ist nicht, weil der Preis zu hoch ist. Der Grund, warum die Gäste nicht buchen ist, weil sie Angst vor Ansteckung haben, oder in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.

Fazit

Je nach Entwicklung der Fallzahlen werden wir das pessimistische, oder eher das optimistische Szenario erleben. Hoteliers können sich vorbereiten und ihre Wettbewerbsvorteile entwickeln, um dann, wenn die Pandemie überstanden ist, eine starke Wettbewerbsposition zu haben. Das Grundbedürfnis Urlaub zu erleben ist da, wahrscheinlich stärker denn je, da ein kräftiger Impuls gezeigt hat, dass auch Urlaube keine Selbstverständlichkeit sind.

Sobald die Bewegungsfreiheit gegeben ist, können wir im Alpenraum auch aufgrund des Nachholeffekts vielleicht sogar mit einem Buchungstsunami rechnen, mit sehr starker Nachfrage nach gut positionierten Hotelleistungen. Gut positionierte Betriebe haben heute bereits eine hohe Nachfrage für den Sommer 2021 und eine ausgebuchte Wintersaison 2021/22. Die Gäste wollen ihre Bedürfnisse befriedigen. Hotelbetriebe, die gut positioniert sind, die herausragende Wettbewerbsvorteile haben, werden beide Szenarien überleben und besser da stehen wie vor der Pandemie. Das Bewusstsein, welchen Wert ein Urlaub hat, ist gestärkt worden. Der Preis sollte daher der Leistung entsprechen und selbstbewusst durchgesetzt werden. Eine niedrige Auslastung zu guten Preisen ist einer hohen Auslastung zu niedrigen Preisen vorzuziehen.

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